Praxisbeispiele

Vor jedem Beratungseinsatz steht das Gespräch:

Welche Kommunen und zu welchen Themenbereichen haben wir schon beraten?

Bisher haben Dialogforen in über zwanzig Kommunen stattgefunden. Dabei äußerten die Kommunen unterschiedliche Bedarfe. In einer Stadt war es der Wunsch, ein Stadtfest internationaler zu gestalten. Eine andere Kommune beschäftigte die Frage, wie sie bei einem etablierten Fest migrantische Vereine stärker für Themen wie Müllvermeidung sensibilisieren könne, und eine dritte Kommune wünschte sich eine höhere aktive Beteiligung von Menschen aus dem Globalen Süden bei Veranstaltungen, in den es um die Entwicklungspolitik in diesen Regionen geht. Auch der Wunsch, Geflüchtete und Engagierte stärker für Eine-Welt-Themen zu sensibilisieren und die Zusammenhänge zwischen Migration, Fluchtursachen und globalen Themen besser zu verstehen, wurde und wird immer wieder geäußert.

Das Bild von Düren

Auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten und den durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen gilt: Die MiGlobe-Beratenden stehen weiterhin interessierten Kommunen zur Verfügung. In NRW begleiten sie aktuell Duisburg, Eschweiler, den Kreis Steinfurt und den Kreis Düren.

Im Kreis Düren wurde nur zwei Wochen nach Absage des für den 1. April geplanten Fachtags eine online-Videokonferenz zum Thema‚ Migration und Entwicklungspolitik im Kreis Düren‘ am 15. April abgehalten. Dabei ging es neben dem Kennenlernen und Austausch der Teilnehmenden um die Vorstellung des Projektes durch die Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik Frau Michelle Münstermann und Herrn Emmanuel Ndahayo, Mitglied des Kreistages und Vorsitzender des Integrations- und Migrationsausschusses.

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MiGlobe in Köln

MiGlobe Einsatz in der Stadt Köln

 

 

In Köln fand ein erstes Dialogforum im April 2015 statt. Ein weiteres Dialogforum folgte kurz danach. Köln ist im Bereich der interkulturellen Öffnung kommunaler Entwicklungspolitik ein Vorreiter und hat 2014 den 1. Preis des SKEW-Wettbewerbs „Kommune bewegt Welt“ gewonnen. Obwohl schon sehr viel in Köln passiert und migrantische Organisationen entwicklungspolitisch aktiv sind, konnte sich das Büro für Internationale Angelegenheiten weitere Bereiche vorstellen, in denen eine Begleitung durch MiGlobe die Akteurskreise erweitern kann. So wurde überlegt, wie die Partizipation von Geflüchteten bei einer geplanten Veranstaltung realisiert werden könne. Da eine MiGlobe-Beraterin zu dem Zeitpunkt hauptamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig war, sah das Büro für Internationale Angelegenheiten das Potential und beantragte einen Beratungseinsatz bei der SKEW. Daraufhin wurden zwei MiGlobe-Berater in die konkreten Vorbereitungen der Veranstaltung „Flüchtlinge und Entwicklungszusammenarbeit“ eingebunden.

Das Rathaus von Dortmund

Am ersten Dialogforum in Dortmund nahmen gleich mehrere entwicklungspolitische Akteure teil: Neben Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und vier Mitgliedern des MiGlobe-Beraterpools waren auch Vertreterinnen und Vertreter des Informationszentrums Dritte Welt sowie der migrantischen Organisation Wali-Aktiv zu der Gesprächsrunde eingeladen. Beim ersten Treffen ging es in erster Linie um ein gegenseitiges Kennenlernen der Akteure und ihrer Projekte. Erste Möglichkeiten, wie MiGlobe dazu beitragen könnte, migrantische Akteure stärker in das Aktionsbündnis zum Fairen Handel einzubinden, wurden diskutiert. Es wurde festgestellt/festgehalten, dass es das Agendabüro der Stadt begrüßen würde, wenn bei politischen Veranstaltungen zu Themen, die Länder des Globalen Südens betreffen, auch immer Menschen aus jeweiligen Ländern zu Wort kommen. MiGlobe könnte Kontakte zu Schlüsselpersonen herstellen. Nach dem ersten Treffen stand fest, dass die Stadt Dortmund an weiteren Treffen mit einem erweiterten Kreis von Eingeladenen interessiert war. Daher fand wenige Monate später ein zweites Dialogforum statt, bei dem die Ideen aus dem ersten Treffen vertieft wurden. Die Stadt Dortmund wünschte sich, die verschiedenen Netzwerke im Sinne einer inklusiven Stadtgesellschaft besser kennen zu lernen und sie für die gegenseitige Vernetzung zu öffnen. Gleichzeitig wurde überlegt, wie die Berater aus dem Pool eine von der Stadt Dortmund initiierte Veranstaltungsreihe zu den SDGs begleiten und unterstützen könnten. Aus diesen Fragestellungen wurde ein konkreter Beratungsauftrag.

Das Rathaus von Solingen

Das Agendabüro der Stadt Solingen lud erstmals im April 2016 zu einem Dialogforum ein. Die Motivation der Stadtverwaltung war der Wunsch, Prozesse im Gesamtkontext zu betrachten und die Menschen vor Ort stärker in nachhaltige Prozesse einzubinden. Da das alljährliche Stadtfest „Leben braucht Vielfalt“ im Herbst anstand, wollte die Stadtverwaltung schon frühzeitig Überlegungen anstellen, wie die zahlreichen Solinger Vereine, die zum Gelingen des Fests beitragen, für mehr Umweltbewusstsein gewonnen werden könnten. Denn ein Problem des Fests war bisher immer das große Müllaufkommen. Es folgte eine zweite Einladung zum Dialog, bei der Vertreterinnen der Stadt und zwei Beraterinnen überlegten, wie MiGlobe unterstützen könnte. Daraufhin stellte die Stadt Solingen einen Beratungsauftrag bei der SKEW.

Das Rathaus von Hattingen

Noch bevor der MiGlobe-Beraterpool offiziell gestartet war, kam schon die erste Anfrage einer Kommune. In Hattingen sollte vom 18. bis zum 25. April 2015 die „Weltwoche“ stattfinden. Um das Fest vorzubereiten, hatte sich eine Vorbereitungsgruppe bzw. Steuerungsgruppe zusammengestellt. Diese Bestand aus Vertreterinnen und Vertretern von Kirchen, Stadt, Schulen, Kitas und Eine-Welt-Gruppen und -Initiativen. Bei den ersten Treffen wurde jedoch deutlich, dass in der Vorbereitungsgruppe migrantische Akteursgruppen fast gänzlich fehlten.

Doch wie sollte dies erreicht werden? Bisher fühlten sich ausländische Mitbürgerinnen und Migranten scheinbar nicht angesprochen. Deshalb wurde ein MiGlobe-Berater zu Rate gezogen. Dem Berater, Bunmi Bolaji, der selbst in Bochum aktiv ist und dessen Netzwerke auch bis Hattingen reichen, gelang es, den Kontakt zwischen der Kommunalverwaltung und einigen entwicklungspolitischen migrantischen Akteursgruppen in Hattingen herzustellen. So konnte die Vorbereitungsgruppe um Vertretende aus migrantischen Communities vor Ort erweitert werden. Als gut vernetzte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren konnten diese wiederum Eine-Welt-Aktive für eine Beteiligung am Fest gewinnen. So wurden Bürgerinnen und Bürger aus den afrikanischen und südamerikanischen Communities erreicht, die das Fest aktiv mitgestalteten und so zum Erfolg der Weltwoche in Hattingen beitragen konnten.

Durch die MiGlobe-Beratung wurde der Integrationsrat der Stadt in Punkto Interkulturelle Öffnung der kommunalen Entwicklungspolitik und zur aktiven Wahrnehmung von globalen Aufgaben sensibilisiert. Darüber hinaus wurde der Aufbau eines Netzwerks mit den bereits bekannten Eine-Welt-Aktiven sowie mit weiteren Engagierten aus der migrantischen Zivilgesellschaft ) mit einem thematischen Bezug zu interkultureller Öffnung bzw. zu kommunaler Entwicklungspolitik in der Stadt als Prozess initiiert.

Bei der Reflexionssitzung nach den Veranstaltungen wurden die Einsätze und Aktivitäten von den Beteiligten als einstimmig positiv bewertet. Eine verstetigende Fortführung dieser Aktivitäten wurde ausdrücklich gewünscht.

Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0

Hürth ist eine Kleinstadt im Herzen des Rheinlandes, in direkter Nachbarschaft zur Millionenstadt Köln. In Hürth leben rund 60.000 Menschen. Davon sind knapp 14% AusländerInnen. Zuletzt hat die Stadt 700 Geflüchtete aufgenommen und erwartet bis zu 150 weitere. Es gibt ein reges zivilgesellschaftliches Engagement in der Stadt, dazu gehört auch die Flüchtlingsarbeit.

Das entwicklungspolitische Engagement der Migranten in Hürth sollte reaktiviert werden, nachdem die einzige bekannte Migrantenorganisation sich vor einigen Jahren aufgrund von nicht zuletzt nicht zu bewältigender interkultureller Herausforderungen aufgelöst hatte.

Der Wunsch der Kommune war es, Migranten als integralen Bestandteil der Akteurslandschaft vor Ort stärker in den Blick zu nehmen und sie in entwicklungspolitische Prozesse und Aktivitäten in der Stadt einzubinden. Um die in Hürth lebenden migrantischen Akteure überhaupt erst einmal kennen zu lernen, wünschte sich die Stadt eine Veranstaltung, die beide Seiten zusammenbringen sollte.

Zwei MiGlobe-Beratende übernahmen die Aufgabe, die Stadt bei der Ansprache der migrantischen Akteure vor Ort zu unterstützen. Um einen fruchtbaren Dialog beider Seiten miteinander zu ermöglichen, schlugen die Beraterinnen die Ausrichtung eines sog. „Empowerment Day“ vor, ein Veranstaltungsformat, das in der migrantischen Szene NRWs bereits etablierten ist. Der Tag wurde von der Kommune gemeinsam mit migrantischen Akteuren ausgerichtet. Menschen mit Migrationsbiographien konnten für die Mitgestaltung des Stadtfests gewonnen werden.

Der in Gang gesetzte Dialog zwischen der Stadt und den migrantischen Akteuren hat dazu geführt, dass die Stadt ihnen nun an einem Tag pro Woche kostenlos Räumlichkeiten für entwicklungspolitische Aktivitäten zur Verfügung stellt. Diesen Tag gestalten die Akteure mittlerweile mit kleineren Bildungsprogrammen, die am Abend in einen „offenen Treff“ münden. Alle Angebote genießen hohe Resonanz (bis zu 50 Teilnehmende pro Woche). Zur Professionalisierung der Angebote wurden mittlerweile „Komm an“-Mittel beantragt, um technisches Equipment zu erwerben. Es hat sich eine neue Migranteninitiative gegründet, in der Geflüchtete aktiv mitarbeiten.

„Die Zusammenarbeit war angenehm und konstruktiv. Die Beraterinnen konnten sehr schnell Zugang zu den Akteuren finden. (…) Ich würde mich über eine weitere Zusammenarbeit freuen, um die Initiative fachkundig zu unterstützen.“ Marita Meurer, Stadt Hürth.

Die kreisfreie Stadt Münster in Westfalen mit knapp 310.000 Einwohnern ist Zentrum des gleichnamigen Regierungsbezirks. Mit 55.000 Studierenden gehört Münster zu den zehn größten Universitätsstädten Deutschlands. Der Ausländeranteil liegt in Münster bei unter 10%.

In Münster gibt es viele aktive Eine Welt-Initiativen und Migrantenselbstorganisationen (MSOen). Auch das Eine Welt Netz NRW hat in Münster seinen Hauptsitz. Obwohl es gute Strukturen der Unterstützung gibt, wie z.B. den Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit oder den Integrationsrat der Stadt, fehlt es dennoch an einer regelmäßigen Zusammenarbeit zwischen den Eine Welt-Gruppen und den MSOen.

Der Wunsch der Kommune war es, die Eine Welt-Initiativen und die entwicklungspolitischen aktiven oder interessierten MSOen miteinander zu vernetzen. Dadurch sollte eine dauerhafte gemeinsame Arbeitsgruppe aus erfahrenen und interessierten Akteuren in der Entwicklungspolitik entstehen, die einmal jährlich eine entwicklungspolitische Veranstaltung plant und durchführt. Zu dieser Veranstaltung sollten alle BürgerInnen der Stadt eingeladen werden. Die Stadt erhoffte sich dadurch eine erhöhte Partizipation von Menschen mit Migrationsbiographien.

Zwei MiGlobe-Beratende übernahmen die Kontaktaufnahme zu Mitgliedern der MSOen und zu Akteuren aus dem Eine Welt-Bereich. Sie waren maßgeblich an der Planung und Durchführung einer Auftaktveranstaltung zur interkulturellen Öffnung kommunaler Entwicklungszusammenarbeit beteiligt, die im Juni 2018 stattfand. Darauf aufbauend begleiteten die Berater den Prozess zur Gründung einer Steuerungsgruppe, die sich künftig gemeinsam für entwicklungspolitische Themen einsetzen will.

Durch die Auftaktveranstaltung konnten viele MSOen Einblicke in die kommunalpolitische Entwicklungsarbeit der Stadt gewinnen. Es wurde deutlich, dass zwar viele Gruppen aktiv sind oder es werden möchten, ihnen jedoch in einigen Bereichen Wissen oder Kompetenzen fehlen. Die Beratung wurde daher erweitert, um gemeinsam mit einer Steuerungsgruppe Ideen zu sammeln, wie die Vereine gestärkt und qualifiziert werden können bzw. welche Bedarfe und Unterstützung die Akteure benötigen, um stärker entwicklungspolitisch zu agieren. Auf dem interkulturellen Stadtfest, das jährlich vom Integrationsrat der Stadt organisiert wird, fand eine Podiumsdiskussion zum Thema kommunale Entwicklungspolitik statt. Auf zahlreichen weiteren Veranstaltungen in Münster konnten die Berater kommunale entwicklungspolitische Themen einbringen und viele Akteure für Prozesse der entwicklungspolitischen Arbeit gewinnen.

„Einer der nächsten Schritte wird sein, dem Prozess eine Struktur zu geben.“ Susanne Rietkötter, Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster.

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